Sportverletzungen

 

 

Erstbehandlung von Sportverletzungen

Die Bilder aus Fußballübertragungen im TV sind bekannt: ein Spieler bekommt einen heftigen Tritt gegen das Schienbein, bleibt am Boden liegen und krümmt sich vor Schmerz. Die Betreuer laufen aufs Feld, verwenden einen Spray, der Spieler steht auf, humpelt noch ein bisschen und kann weiter spielen.

Dass an der Wirksamkeit dieser Behandlung tatsächlich etwas dran ist, zeigt die folgende PECH Regel, nach welcher nahezu alle auftretenden Sportverletzungen, bei denen keine offene Hautverletzungen entstehen, behandelt werden können:

 

P Pause ab sofort (!) keine weitere Belastung der betroffenen Stelle, Körperteil ruhig stellen (bei Verletzungen an den Beinen den Sportler nicht vom Spielfeld gehen, laufen oder hüpfen lassen!), dann eine Untersuchung durchführen

E Eis, sofortige Kälteanwendung (jede Minute zählt!) vermindert die Blutergussbildung und Schwellung und lindert den Schmerz. Dei Kälteanwendung kann mit Eispackungen, fließendem kalten Wasser oder kalten Umschlägen erfolgen. Eispackungen dürfen dabei niemals direkt auf der Haut angewendet werden!

Die Kühlung sollte über 2-3 Stunden fortgesetzt werden.

Es empfiehlt sich auch der frühzeitige Einsatz eines schmerzstillenden, abschwellenden und entzündungshemmenden Sprays 

 

C Compression, ein Druckverband verhindert ebenfalls ein weiteres Anschwellen

H Hochlagern, dadurch wird die Blutzufuhr verringert, und die Schwellung vermindert. Dies kann über einen Zeitraum von 1-2 Tagen sinnvoll sein, bei ausgedehnten Schwellungen evtl. auch länger.

 

Zur genauen Diagnose sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Das eingangs geschilderte Beispiel hat damit zwar einen glücklichen Ausgang, weil der Vorfall glimpflich ausging und der Spieler weiterspielen konnte, die Behandlungsmethode ist jedoch begründet.

Häufig auftretende stumpfe Verletzungen

Als stumpfe Verletzungen werden solche bezeichnet, bei denen es zu keiner oberflächlichen Hautverletzung kommt.

Verstauchung

Eine Verstauchung (Distorsion) ist eine gewaltsame Aufklappung eines Gelenkes in einer Richtung, die nicht zum normalen Bewegungsumfang gehört und durch die Gelenkbänder verhindert wird.

Zeichen für eine Verstauchung sind Schmerzen und Schwellung im Bereich des Gelenkes, sowie schmerzhafte Bewegungseinschränkung.

Je nach Schwere der Verletzung unterscheidet man Bänderdehnungen und Bänderrisse. Die Unterscheidung ist selbst für den Arzt nicht immer einfach, und erfordert oft Röntgen- oder Magnetresonanzaufnahmen. Die Erstbehandlung kann aber jedenfalls nach der PECH-Regel erfolgen.

Eine typische Stelle für Verstauchungen ist das Sprunggelenk (das "Umkippen" oder "Überknöcheln").

Verstauchungen sollten je nach Schwere sofort zum Arzt. Die Therapie umfasst je nach Schwere Ruhigstellung mittels Stützverband, Taping oder Gips, evtl. auch Operation.

Prellung

Eine Prellung ist ein Anpralltrauma, bei dem es ohne Hautverletzung zu einer Blutergussbildung in tieferen Gewebsschichten kommt.

Man unterscheidet Muskelprellungen (der typische blaue Fleck), Knochenprellungen und Gelenksprellungen.

Ursache ist oft ein Zusammenstoß mit einem Hindernis oder Gegenspieler (Tritt vors Schienbein, "Eisenbahner" gegen den Oberschenkel)

Die Erstbehandlung ist jeweils gleich und erfolgt nach der PECH-Regel. Wärme und Massagen dürfen in der Anfangsphase keinesfalls angewendet werden um eine Verkalkung des Hämatoms zu verhindern.

Spürt der Sportler ein Druckgefühl oder Taubheitsgefühl, so ist jedenfalls der Arzt aufzusuchen. Ebenso sollte bei Knochenprellungen, bei denen der Verdacht auf einen Bruch besteht (Schmerzen, Schwellung, Rötung, abnormale Knochenstellung) der Arzt aufgesucht werden, der mittels Röntgen einen Knochenbruchbestätigen oder Ausschließen kann.

Die Therapie kann Salbenanwendungen, medikamentöse Behandlung oder Ultraschallanwendungen beinhalten. In schweren Fällen ist eine Punktation (Entfernung des Blutergusses mit einer Nadel) sinnvoll sein.

Zerrung

Eine Zerrung ist eine Überdehnung eins Muskels, die noch nicht zu einer mechanischen Zerstörung von Muskelgewebe führt.

Ursache ist oft ungenügende Aufwärmung vor dem Sport. Aber auch plötzliche Extrembewegungen (Ausfallschritt, Ausrutschen) oder tiefe Temperaturen können Ursachen von Zerrungen sein.

Der Sportler verspürt einen plötzlichen krampfartigen Schmerz in der betroffenen Muskulatur. Die Sportausübung sollte in diesem Fall sofort eingestellt werden um schwerwiegendere Verletzungen wie Muskelrisse zu vermeiden.

Die Erstbehandlung erfolgt nach der PECH-Regel, ab dem 3. Tag können vorsichtige Dehnung und durchblutungsfördernde Maßnahmen (Salben,...) angewendet werden.

Zerrungen können hartnäckig sein und immer wieder auftreten. Die Therapie umfasst ab dem 4. Tag Salbenverbände, medikamentöse Behandlung und Elektrotherapie. Evtl. kann eine Operation und Ruhigstellung bei Muskelrissen nötig sein.

Volles Training sollte erst dann wieder aufgenommen werden, wenn die schmerzfreie Beweglichkeit der betroffenen Stelle genauso groß ist, wie jene auf der gesunden Seite.

Knochenbrüche

Bei starker Gewalteinwirkung sind auch Knochenbrüche möglich. Anzeichen sind starke Schmerzen, Schwellung, Rötung und abnormale Beweglichkeit oder Extremitätenstellung. Die Erstbehandlung erfolgt nach der PECH-Regel. Eine genaue Diagnose kann der Arzt mittels Röntgen erstellen.

Die Therapie erfolgt üblicherweise mit Gips, teilweise können auch Schienen oder Tapes ausreichend sein. In schwierigen Fällen kann eine Operation angezeigt sein.

Wundversorgung bei kleineren Wunden

Nicht alle im Sport auftretenden Verletzungen sind stumpfe Verletzungen. Auch Schürfwunden oder kleine Schnitte treten immer wieder auf, beispielsweise wenn ein Hürdenläufer auf der Laufbahn stürzt.

In diesen Fällen ist die sterile Wundabdeckung das erste Gebot. Weiters sollte die Blutung gestillt werden. Genügt bei Schürfwunden oft ein Pflaster, ist für Schnitte vielleicht ein Verband anzulegen. Wie das gemacht wird, kann man in Erste-Hilfe-Kursen lernen. Ein Kurs, den jeder Trainer und jeder Sportler absolvieren sollte, um bei Bedarf fachgerecht handeln zu können.

 

Großflächige oder klaffende Wunden sollten in jedem Fall zum Arzt. Ebenso Wunden, die verunreinigt sind (z.B. auf rostigen Nagel gestiegen), da hier eine Tetanusimpfung nötig sein kann.

Sportler sind anders – oder doch nicht?

Sportverletzungen unterscheiden sich nicht von anderen Verletzungen. Ob eine Zerrung bei einem Gewichtheber auftritt, oder bei einem Bauarbeiter, der einen schweren Gegenstand hebt, spielt keine Rolle

Der Unterschied liegt aber in der Person. Der Sportler will möglichst schnell wieder trainieren, fühlt sich der Mannschaft und dem Trainer verpflichtet. Kann er nicht seiner Bewegung nachgehen fühlt er sich unausgeglichen.

Verletzungen heilen aber bei Sportlern nicht schneller als bei Nichtsportlern, auch wenn dies manche gerne glauben mögen. Dies führt immer wieder nach Verletzungen zu einem zu frühen Wiedereinstieg ins Training oder gar den Wettkampf, ein langsames Aufbautraining fehlt oft völlig oder wird stark vernachlässigt. Vor derartigem Verhalten kann nur gewarnt werden. Erneute Verletzungen und Langzeitschäden können die Folge sein.

Dennoch gibt es Möglichkeiten für Sportler die notwendige Therapie angenehmer zu gestalten:

 

  • Bänderrisse im Sprunggelenk können beispielsweise mit SoftCast oder ScotchCast der Firma 3M ruhiggestellt werden. Diese Produkte bieten gegenüber herkömmlichem Gips den Vorteil des geringeren Gewichts und unter Umständen die Möglichkeit einer nur teilweisen und funktionellen Ruhigstellung. Dies kann helfen die Heilung zu beschleunigen und Muskelschwund zu vermeiden.

 

  • Speziell im Spitzensport werden nach Brüchen der Fußknochen oder des Sprunggelenkes vermehrt die pneumatischen Gehschienen von Aircast eingesetzt. Sie verhindern einen zu starken Muskelabbau und bieten außerdem die Möglichkeit das Bein frühzeitig durch Physiotherapie zu mobilisieren.

  • Bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen kann das Flector EP Pflaster verwendet werden. Dabei handelt es sich um ein Pflaster mit dem Wirkstoff Diclofenac, welcher schmerzstillend und entzündungs- hemmend wirkt. Das Anbringen des Pflasters ist für den Sportler selbst leicht möglich, ein angenehm kühlender Effekt setzt sofort ein. Diclofenac wird auch in Tablettenform oder in Salben verwendet. Der Vorteil des Pflasters ist jedoch die gleichmäßig anhaltende Wirkung, mit äußerst geringen Nebenwirkungen.

 

  • Wärme zur Schmerzbekämpfung - Wärme wirkt sowohl direkt als auch indirekt schmerzlindernd. Das heißt, sie hemmt direkt die Schmerzreiz-Weiterleitung zum Schmerzzentrum im Gehirn. Zusätzlich kann Wärme die Muskulatur tiefenwirksam entspannen und auch so Schmerzreize vermindern. Diese Entspannung der Muskulatur fördert auch die Muskeldurchblutung und hilft so, Schmerzbotenstoffe zu entfernen und über bessere Nähr- und Sauerstoffversorgung den normalen Muskelzustand wiederherzustellen.

 

  • Auch Physiotherapie kann in weiterer Folge helfen die Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit wiederherzustellen. Gleichzeitig kann der Physiotherapeut helfen gezieltes Aufbautraining zu betreiben um erneute Verletzungen zu vermeiden.

 

  • Kleinere Verletzungen wie etwa Verstauchungen der Finger lassen sich mittels Tape-Verband ruhigstellen. Dieser sollte zwar von einem fachkundigen Arzt angelegt werden, hat aber erhebliche Vorteile gegenüber einem Gips.

Bevor etwas passiert – Maßnahmen zur Verringerung des Verletzungsrisikos

Es ist natürlich gut, wenn sich die Medizin darüber Gedanken macht, wie sie Sportlern zu einem schnelleren Heilungsprozess verhelfen kann, jedoch wäre es noch besser, wenn die Verletzungen gar nicht erst passieren würden.

Neben einer guten allgemeinen Erwärmung vor dem Sport und dem Achten auf Anzeichen der Ermüdung während des Trainings, können auch Bandagen eine Möglichkeit darstellen sich vor Verletzungen zu schützen.

Sprunggelenk, Knie, Handgelenk, Ellbogen und Rücken können so beispielsweise stabilisiert werden. Die Bandage wirkt dabei auch aktivierend auf die umgebende Muskulatur und somit leistungssteigernd.

Zu beachten ist bei der Verwendung von Bandagen allerdings, dass die natürliche Koordination nicht verloren geht. Wer sich immer darauf verlässt, dass die Bandage sein Sprunggelenk stabilisiert, der verliert die Fähigkeit dies über Nerven und Muskeln selbst zu tun. Daher sollte die Unterstützung nur bei Höchstleistungen im Training und Wettkampf getragen werden und unter Umständen durch ein zusätzliches Stabilisationstraining ergänzt werden.

 

 

 

WWWeitere Infos

Infos zum Tapen: http://www.tapeverband.com/home.htm

Infos zu Sportverletzungen allgemein: